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Angst ist, was du draus machst!

Die aktuelle Situation verunsichert viele Menschen stark, manche leben seit Wochen in ständiger Angst. In Angst vor einem Virus, der bisher wenig erforscht ist und der weltweit bereits viele Todesopfer forderte. Sie leben in der Angst nicht mehr ausreichend versorgt zu sein oder im Falle einer zweiten Welle keinen Platz mehr in einem Krankenhaus zu bekommen.

Seit Anfang Mai werden die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mehr und mehr gelockert. Die Zahl der Neuerkrankten sinkt langsam und so ist es möglich, das gesellschaftliche Leben Schritt für Schritt zu aktivieren. Doch genau das scheint die Angst vieler Menschen neu zu verstärken, denn wo Menschen sind, hat der Virus es leichter, sich auszubreiten. Viele vermeiden jegliche Nähe und vor allem Berührungen zu Mitmenschen, weil etwas Unsichtbares jeden zu einer potenziellen Bedrohung werden lässt. Damit wird die Bewältigung des Alltags anstrengend: Einkaufen, arbeiten - alles in einer mal stärker, mal weniger stark empfundenen Angst.

 

Angst ist eine Emotion und sicher kein Ausnahmegefühl! Die meisten von uns haben wohl schon mal Angst erlebt: Das Herz schlägt schneller, schweißnasse Hände, kein klarer Gedanke mehr. In den meisten Fällen sind die erlebten Ängste realistisch betrachtet weniger lebensbedrohlich als wir befürchten: Prüfungsangst, Trennungsangst, Angst davor, nicht mehr gemocht zu werden. Klar, die ein oder andere Folge, wenn unsere Befürchtungen dazu wirklich eintreten, wären unbequem, anstrengend, vielleicht auch ein finanzielles Desaster, aber wirklich lebensbedrohlich? Vielleicht musstest du aber auch schon mal eine Situation erleben, in der du tatsächlich um dein eigenes Leben oder das eines geliebten Menschen fürchten musstest...

 

Zunächst mal: Angst ist gut! Sie ist super wichtig, denn sie warnt uns davor, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass Gefahr droht. Sie aktiviert unsere inneren Wächter und wir richten unseren Fokus auf die drohende Gefahr, um bereit zu sein für alles was kommen könnte! In Gefahrensituationen ist Angst überlebenswichtig!

Aber: Wer Angst hat, ist nicht mehr in seinem Gleichgewicht. Wer Angst hat, ist nicht fähig, maßvolle Entscheidungen zu treffen. Das Gehirn ist in der Angst auf Kampf oder Flucht programmiert, es geht nur noch um das eigene Überleben! Wer aus Angst handelt, handelt nur für den Moment. Wir alle erinnern uns an die Bilder, wo sich vor wenigen Wochen Menschen um die letzte Packung Klopapier oder  Mehl gestritten, ja sogar gekämpft haben. 

Laura Malina Seiler hat mal gesagt "Angst ist die Erwartung von Schmerz in der Zukunft!" Wir erwarten, dass eine zukünftige Situation uns Schaden und Schmerz bringen könnte. Es gilt also alles daran zu setzen, einen möglichen Schaden oder Schmerz jetzt schon zu verhindern.

Und damit ist Angst vor allem ein Konstrukt unserer Gedanken, unserer Befürchtungen und unserer bisherigen Erfahrungen, unser Verhalten das Ergebnis dieser Befürchtungen. Angst ist, was du draus machst!

 

Wenn du Situationen kennst, in denen Angst in dir aufsteigt, in denen dein Herz rast, du schweißnasse Hände bekommst und das Gefühl hast, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können oder auch, wenn seit Wochen eine latente Angst in dir ist, schau genau hin, atme tief durch und frage dich:

  • Wovor genau habe ich Angst? Wodurch fühle ich mich bedroht? 
  • Ist es wahrscheinlich, dass meine Befürchtungen von Schmerz und Schaden eintreten?
  • Und wenn ja, was wäre dann? Wäre mein Leben wirklich bedroht? Wenn mein Leben nicht bedroht ist, welche Möglichkeiten habe ich, maßvoll mit der Situation umzugehen?

Nimm deine Angst an! Achte sie, sie meint es gut mit dir!

Aber überprüfe auch deine Befürchtungen auf die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens in der Realität und triff deine Entscheidungen bewusst und nicht aus der Angst heraus!

 

Alles Liebe!

Svenja Lotze