Warum du dir unbedingt mehr Fehler erlauben solltest!

Ich erlebe in meiner Beratungsarbeit häufig Menschen, die nicht nur einen hohen Anspruch an sich selbst haben, sondern vor allem eins unbedingt vermeiden wollen: Fehler zu machen. Damit setzen sie sich selbst unter enormen Druck. Diesem können sie besonders dann nicht mehr standhalten können, wenn ihnen dann doch ein Fehler unterlaufen ist. Folglich gibt es für sie häufig nur zwei Wege: entweder sie machen sich völlig fertig, sagen sich selbst, wie unfähig sie sind und haben große Schuldgefühle, ihr Selbstvertrauen schrumpft. Oder sie beginnen damit, andere für ihre Fehler verantwortlich zu machen, um alle Schuld von sich abzuweisen und das eigene Handeln als unfehlbar darzustellen.

Beides sind keine gesunden Strategien, die auf Dauer tragen. Dahinter steckt wie so oft die Angst, dass sie keine Wertschätzung mehr von außen erfahren und von anderen für einen Versager gehalten werden. 

 

Die Fehlerkultur in Deutschland, in Familien, Schulen und Unternehmen, ist erschreckend:  Deutschland ist in einem Ländervergleich in Bezug auf den Umgang mit Fehlern das Schlusslicht: Platz 60! Von 61!!! Wer einen Fehler macht, hat Schuld und wer Schuld hat, muss sanktioniert werden. Von klein auf lernen wir, dass Fehler unangenehm sind. In der Schule werden Fehler rot angestrichen, falsch geschriebene Wörter und falsch gerechnete Aufgaben müssen neu geschrieben und wiederholt werden. Und das setzt sich auch in den familiären und sozialen Systemen fort: "Wer war das?" oder auch "Wenn ich den erwische, der..." Wir entwickeln Angst davor, eine Fehler zu machen, weil wir Wiedergutmachung leisten und uns rechtfertigen müssen. Es ist ein enormer Mehraufwand damit verbunden, einen Fehler zu bereinigen. Fehler sind in unserer Gesellschaft unerwünscht. 

 

Und dabei können wir so dankbar sein, für jeden Fehler den wir machen. Wir sind nicht auf der Welt, um perfekt zu sein! Wir sind hier, um zu lernen. Aus guten Erfahrungen, aber eben auch besonders aus den Schlechten. Es gehört zum Menschsein dazu, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Andernfalls würde kein Kind laufen oder sprechen lernen. Und wenn wir perfekt wären, müsste niemand mehr in die Schule, um etwas zu lernen.

Wer keine Fehler machen will, geht auch kein Risiko ein. Dann muss alles im Leben überschaubar sein und Sicherheit steht an erster Stelle, gefolgt von der WERTschätzung durch andere, ohne deren positive Rückmeldung der eigene Selbstwert sich gen null neigt.

Hingegen entwickelt derjenige, der sich Fehler erlaubt, ein stabiles Selbstvertrauen. Klingt vielleicht erstmal etwas paradox, ist aber ganz einfach zu erklären: Du gewinnst nämlich dann an Selbstvertrauen, wenn du die schwierige Situation überstanden hast, den Fehler zuzugeben und ihn anschließend wieder gut gemacht hast. Deine Angst vor Fehlern wird weniger, du erkennst deine Schwachstellen und hast für die nächste ähnliche Situation dazu gelernt. Nicht umsonst müssen wir manchmal richtig gefallen sein, um zu sagen "Das passiert mir kein zweites Mal!"

 

Und ganz by the way: Menschen, die glauben, in dem sie Schuld auf andere verteilen, Stärke zu beweisen, erreichen genau das gegenteil. In vielen psychologischen Studien hat man untersucht, was einen Menschen sympathisch macht und das ist vor allem eins: Fehler zugeben zu können ist eine große Kompetenz und zeugt von einer starken Persönlichkeit. Mit Menschen, die Fehler zugeben können, umgibt man sich gern, weil es ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Nämlich die Sicherheit in heiklen Situationen nicht ans Messer geliefert zu werden, nur damit der andere seinen Kopf rettet.

 

Du musst natürlich nicht jeden Fehler mitnehmen und es spricht überhaupt nichts gegen einen hohen Anspruch an sich selbst. Es geht vielmehr darum, etwas mehr Gelassenheit zu entwickeln, dir den Druck zu nehmen, perfekt sein zu müssen und es geht darum, dir Fehler zu erlauben und dir selbst diese auch zu vergeben.

 

Wer Fehler macht, wächst und entwickelt sich weiter - insofern ist es sogar goldWERT, Fehler zu machen!

 

Herzlichst, 

Svenja Lotze