Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

Da ist sie wieder: Mit den steigenden Infektionszahlen der letzten Tage begrüßen wir auch die zunehmende Verunsicherung, um nicht zu sagen Angst, wieder unter uns. Und mit ihr leere Klopapier-, Mehl- und Nudelregale. 

Es ist Herbst, der Winter kommt erst noch und die Erkältungszeit hat gerade erst begonnen. Man könnte sagen: Monat 1 von 7. 

Genauso lang ist es inzwischen her, dass wir begonnen haben, uns mit Covid-19 in Deutschland auseinanderzusetzen. Seit März 2020 ist viel passiert. Nicht nur der Lockdown, den wir nun alle ein zweites Mal vermeiden möchten, auch die Regelungen zum gesellschaftlichen Leben, in Einrichtungen, im ÖPNV und beim Sport waren dynamisch und sind noch immer unübersichtlich.

Über den Sommer haben wir uns aber dennoch an eine neue Normalität gewöhnt: Wir halten Abstand, vermeiden größere Gruppen, wir verlassen das Haus nicht ohne unsere Alltagsmasken und desinfizieren uns die Hände, wo immer es geht. Und dennoch bleibt die Zukunft für uns alle ungewiss. 

 

Mich beunruhigt an der aktuellen Situation aber vor allem eines: Dass die Menschen das Vertrauen ineinander verlieren. Die Regeln, die sicher gut und wichtig sind, haben dazu geführt, dass sich plötzlich jeder berufen fühlt, alles und jeden zu kontrollieren. Hast du dies...? Hast du jenes...? Wie kannst du denn jetzt...? Darf man das überhaupt? Mit ist völlig klar, dass dahinter die Angst steckt, dass der kleinste Fehler eines anderen dazu führen kann, dass der Virus sich weiter ausbreitet. Aus meiner Sicht wird es allerdings unmöglich sein, die nächsten 7 Monate psychisch einigermaßen gesund zu bleiben, wenn du nicht zurück in dein Vertrauen kommst, dass hier jeder gerade sein Bestes gibt, damit so viele wie möglich gesund bleiben können. Schwer vorstellbar? Vielleicht hilft dir folgender Vergleich: 

 

Autofahren ist lebensgefährlich! Überhaupt die Teilnahme am Straßenverkehr, wenn man bedenkt, dass täglich weltweit 1.600 Menschen durch einen Verkehrsunfall sterben. Das ist aus meiner Sicht ziemlich viel, denn schließlich haben wir unzählige Regelungen zum Straßenverkehr: Vorfahrten sind bestens beschildert, Ampeln leiten den Verkehr und es gibt Geschwindigkeitsbegrenzungen. Um als Autofahrer oder mit einem anderen Fahrzeug am Verkehr teilnehmen zu dürfen, musst du einen Führerschein mit Theorie- und Praxisprüfung machen. Die Einhaltung der Regeln wird durch die Polizei oder durch Geschwindigkeitsmesser kontrolliert. Wer sich nicht an die Verkehrsregeln hält, kann empfindlich bestraft werden. Alles zu unserer Sicherheit. Und dennoch passieren so viele Unfälle - in Deutschland verunglücken im Durchschnitt 200 Menschen pro Monat tödlich im Straßenverkehr.

Weil wir aber wissen, dass Menschen Fehler machen und nicht immer zu 100% aufmerksam hinterm Steuer sitzen. lernen wir schon in der Fahrschule "mit Fehlern anderer zu rechnen!". In dem Moment, wo jemand im Straßenverkehr einen Fehler macht (zum Beispiel die Vorfahrt missachtet), kommt es nicht darauf, dass du dein Recht durchsetzt, sondern es kommt auf deine Reaktion an, das Schlimmste zu verhindern. Jeden Tag musst du also als Verkehrsteilnehmer vor allem eins tun: Vertrauen haben, dass jeder andere Verkehrsteilnehmer gerade sein Bestes gibt, aufmerksam sein und hoffen, dass auch die anderen richtig reagieren, wenn dir ein Fehler passiert.

Wer nicht den Funken von Vertrauen in andere Personen auf den Straßen hat, kann unmöglich selbst am Straßenverkehr teilnehmen, egal ob als Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger. 

Und dieses Beispiel lässt sich aus meiner Sicht 1 zu 1 auf die aktuelle Situation übertragen: Du hast keine andere Wahl als darauf zu vertrauen, dass gerade alle ihr Bestes geben, die Verbreitung des Virus zu verhindern. Du musst darauf vertrauen, dass Menschen sich an Regeln halten und die Behörden ihre Arbeit tun. Und du kannst selbst einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, indem du aufmerksam bist! 

Möglicherweise denkst du jetzt: "Aber es gibt zu viele Idioten, die die Corona-Regeln nicht ernst nehmen und z.B. Partys feiern." Ja, diese Menschen gibt es sicherlich. Aber du weißt auch, dass es Idioten auf der Straße gibt, die mit 70 durch ´ne 30er Zone fahren oder riskante Überholmanöver starten. Und du nimmst trotzdem am Straßenverkehr teil. 

Covid-19 gehört inzwischen zu unserem Alltag. Ebenso wie die Raser auf den Straßen. Wir müssen das Risiko akzeptieren, um weiterleben zu können. 

 

 

Um diesen neuen Alltag gestalten zu können und nicht dauerhaft in Angst und Panik zu leben, brauchen wir aus meiner Sicht dringend wieder mehr Vertrauen ineinander statt Anfeindungen und Schlägereien um das letzte Paket Klopapier. Wir brauchen Optimismus, um an Morgen zu glauben. Wir brauchen einen Funken Gelassenheit und einen ruhigen Geist, um vernünftige Entscheidungen zu treffen und Lösungen für die täglich neuen Problemstellungen zu entwickeln.

Das wird sicher nicht einfach werden und vielleicht hinkt der Vergleich mit dem Autofahren an dieser Stelle auch. Aber wir leben in einer neuen Realität, in der uns allen gleichermaßen Anpassungsbereitschaft, Gemeinsinn und Zuversicht abverlangt wird. Und dafür ist es belanglos, ob du Covid-19 für eine Verschwörung hältst oder für eine Bedrohung, denn du bist im gleichen Sturm wie alle anderen auch! 

 

Ich wünsche dir, dass du dein Vertrauen zurückgewinnst oder dir erhalten kannst!

Vertrauen in die Zukunft ist goldWERT!

 

Herzlichst

Svenja Lotze