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Was am Ende des Lebens wirklich zählt

Voller Dankbarkeit komme ich aus meinem Sommerurlaub zurück. Es war so schön, neue Orte zu erkunden, Freunde und Verwandte zu treffen, neue Menschen kennenzulernen, viel Zeit in der Natur verbringen zu dürfen und beim Yoga, Schwimmen, Wandern oder faulenzen Kraft zu tanken. Wie immer im Urlaub begleiteten mich auch diesmal wieder einige Bücher, deren Titel mich ansprachen. Unter anderem auch das Buch von Byron Katie mit dem Titel "5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen". Schwere Kost für einen Urlaub und geplante Erholungszeit - das stimmt.

Wie erwartet haben mich die Inhalte und Schilderungen dieser Frau sehr berührt. So sehr, dass ich die wesentlichen Inhalte in diesem Blogartikel gerne mit dir teilen möchte, weil es vermutlich auch dich daran unterstützen kann, mal kurz inne zu halten und zu checken, ob du noch auf dem richtigen Weg bist. Diese Frage habe ich mir jedenfalls beim Lesen immer wieder gestellt....

 

Bronnie Ware ist Bankkauffrau in Australien. Nach einer steilen Karriere merkt sie irgendwann, dass die Dinge, die sie tagtäglich in ihrem Beruf tut, sie nicht glücklich machen und so kommt sie über ein paar Zufälle - wie es manchmal eben so läuft im Leben - mit Menschen in Kontakt, die an lebensverkürzenden Krankheiten leiden. Sie pflegte diese Menschen in ihrem Zuhause zunächst als ungelernte Kraft. Dabei setzte sie vor allem darauf, mit den Menschen in Verbindung zu kommen und ihnen eine gute Zeit bis zu ihrem Tod zu bereiten. Bronnie Ware pflegt sie liebevoll, redet und schweigt mit ihnen, kümmert sich um das körperliche und seelische Wohlbefinden, hört zu und gibt den Menschen das Gefühl, alles loswerden zu dürfen, was sie beschäftigt, damit sie diese Erde im inneren Frieden mit sich verlassen dürfen. Sie interessiert sich für die Lebenserfahrung der Sterbenden, dafür, worin diese Menschen den Sinn des Lebens sehen, worauf sie stolz sind und auch was sie gerne anders gemacht hätten, wenn sie noch einmal entscheiden dürften. Dabei stellt sie fest, dass es 5 essentielle Dinge gibt, die Menschen bei einer zweiten Chance anders machen würden: 

 

1. "Ich wünschte, ich hätte mehr Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwartet haben."

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Seine stärksten Bedürfnisse sind Wertschätzung, Anerkennung und soziale Zugehörigkeit. Diese Bedürfnisse verleiten uns manchmal dazu, Entscheidungen zu treffen, die wir tief in unserem Inneren eigentlich anders treffen würden - aus Angst, sozial nicht mehr angesehen zu sein, jemandem vor den Kopf zu stoßen, Konflikte einzugehen und aushalten zu müssen uvm. Und so bleiben wir manchmal in Beziehungen, Arbeitsstellen und anderen Systemen hängen, obwohl uns etwas widerstrebt und wir eigentlich gerne gehen würden. Neulich habe ich ein schönes Zitat gelesen: "Wenn die Schuhe Schmerzen bereiten, wechseln wir sie. Wenn das Leben Schmerzen bereitet, glauben wir, wir müssten das aushalten." Da ist aus meiner Sicht wirklich was dran.

 

2. "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet." 

Die Patienten von Byron Katie bereuen sehr oft, dass sie in den familiären Kontexten so wenig anwesend waren, dass sie gerne mehr Zeit mit ihren Kindern oder ihren Partnern gehabt hätten. Und diese Zeit bestenfalls noch ohne Sorgen über die Arbeit mit der Familie verbracht hätten. Der Zeit mit der Familie somit auch mehr Qualität geben. Sie berichten davon, dass sie gemeinsame Zeit aufgeschoben haben auf später, die Rentenzeit... Und dann war es plötzlich zu spät.

Zeit ist das größte Geschenk was wir einander machen können. Zeit ist nicht nachzuholen. Vielleicht ist es eine gute Idee, dich mal kurz zu fragen, mit wem du eigentlich gerne viel mehr Zeit verbringen würdest und wie du dies realisieren kannst, damit es dir nicht irgendwann ähnlich geht, wie den Patienten von Bronnie Ware. 

 

3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen." 

Mal ganz ehrlich: Wie oft antwortest du auf die Frage "Wie gehts?" mit "Danke, gut und selbst?!", obwohl es dir gar nicht gut geht? Wie oft schluckst du Ärger runter statt ihn zu kommunizieren und damit anderen auch die Chance zu geben, etwas zu verändern, sich zu entschuldigen oder dir Verständnis entgegen zu bringen? Wie oft hast du Menschen, die du liebst oder geliebt hast, dies gesagt? Und wie oft hast du es lieber für dich behalten bis es dann irgendwann zu spät war?

Die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu benennen, ist keine leichte Aufgabe. Viel zu häufig können wir das, was wir fühlen, gar nicht in Worte fassen. Uns fehlen für manche Empfindungen schlichtweg die Worte, das stelle ich auch in meiner Arbeit in der Praxis immer wieder fest. Und doch ist genau das so wichtig - um unserer selbst Willen, damit wir uns selbst nicht verraten, aber auch damit wir Überhaupt in Verbindung mit uns gehen und für uns sorgen können. 

 

4. "Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten." 

Im Trubel des Alltags neigen wir vielleicht manchmal dazu, gerade guten Freunden eine Abfuhr zu erteilen und Verabredungen abzusagen. Ich kenne das nur zu gut. Manchmal ist mir einfach nicht mehr nach reden, dann möchte ich meine Ruhe haben. Und dann mal wieder sehne ich mich nach Freunden, danach mit ihnen zu lachen, zu philosophieren, mich auszutauschen und manchmal auch zu weinen.

Die Menschen aus den Geschichten in dem Buch beschreiben das ganz ähnlich. Das Problem: Freundschaften wollen gepflegt werden. Verteilt man zu oft einen Korb, weil Arbeit, Kinder oder andere Turbulenzen uns die letzte Energie geraubt haben, so ist vielleicht niemand mehr da, wenn man einen Freund braucht. Möglichweise gibt es da in unserem Kopf ein Missverständnis, das wir gerade rücken sollten: Freunde rauben keine Kraft, sondern Zeit mit Freunden gibt Kraft. Eine Freundschaft, die mehr Kraft raubt, als dass sie dir gibt, sollte vielleicht von Grund auf mal hinterfragt werden. 

 

5. "Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt." 

Mit der Freude scheint es zu sein, wie mit der Zeit für die Familie. Viele Menschen scheinen dazu zu tendieren, Freude und glücklich sein auf später zu verschieben. Frag dich mal, ob das bei dir auch so ist. Bist du eher vom Typ "Wenn ich diesen Deal gemacht habe/ dieses Auto gekauft habe/ diesen Job bekommen habe/ meinen neuen Hund habe/usw. - dann bin ich glücklich." Oder kannst du auch die kleinen Dinge im Alltag wertschätzen, dir erlauben in einzelnen Momenten glücklich zu sein, zu lachen und Freude zu empfinden? 

Freude ist ein Gefühl. das einen ganzen Cocktail an Glückshormonen in unserem Körper freisetzt. Wenn wir Freude ausschließlich an große Erfolge knüpfen, statt uns über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen, werden wir irgendwann sehr freudlose Menschen sein, denn die großen Deals finden nicht jeden Tag statt. Aber das kleine Glück kannst du täglich finden! 

 

Du bist goldWERT! 

Herzlichst,

Svenja Lotze