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Wer bist du, wenn du nichts tust?

In meine Praxis kommen Menschen, die sich in persönlichen oder beruflichen Veränderungsprozessen befinden. Veränderungen sind immer mit Unsicherheiten verbunden, wir verlassen gewohnte Strukturen und betreten neues Terrain. Das erfordert Mut, aber auch das Wissen darum, wer man ist und wofür man steht, damit dieser Veränderungsprozess erfolgreich bewältigt werden kann. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Thema Selbstwert früher oder später auf den Tisch kommt. Wer bist du? Was bist du wert? Worauf baut sich deine Identität auf? Worüber definierst du dich?

In der Regel sieht die Antwort dann wie folgt aus: „Ich heiße xy, bin z Jahre alt, komme aus A-Stadt, bin beruflich xyz und habe x Kinder/ lebe getrennt/ bin Single…“. Was fällt auf? Wir definieren uns über unseren Namen, unser Alter, den Wohnort, den Beruf und unseren Beziehungsstatus. Logisch, dass es unangenehm wird, wenn sich da etwas verändert, der Jobwechsel ansteht oder auch der Übergang in den Ruhestand, die Beziehung bröckelt oder die Kinder ausziehen… Und ebenso logisch, dass wir dann an unserem Wert zweifeln. Veränderungsprozesse werden dann schnell zum Makel, der den eigenen Wert mindert. Wir sind in unserem Verständnis dann sozusagen ein Mängelexemplar. Ist denn nicht jeder Mensch mehr als sein Job, sein Alter, sein Name, sein Partner… Müsste die Frage also nicht besser lauten: „Wer bist du, wenn du nichts tust und nichts mehr hast?“

Darauf folgt dann häufig nachdenkliches Schweigen. Diese Frage geht so sehr an unseren Kern, dass es manchmal fast schmerzhaft zu sein scheint, sich mit ihr zu beschäftigen. Auf den Stutz fällt uns oft nichts ein und das verunsichert. Wir merken, dass wir da wohl über Jahre etwas ganz wesentliches nach hinten geschoben haben und äußere Definitionsmerkmale in den Vordergrund gestellt haben. 

Dennoch: Diese Frage ist aus meiner Sicht unvermeidlich, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Um diesen Prozess etwas zu strukturieren, gibt es mindestens 5 sehr hilfreiche Fragen, die du dir stellen kannst, wenn dir auf „Wer bist du, wenn du nichts tust und nichts mehr hast?“ adhoc nichts einfällt: 

 

Welche Werte sind dir wichtig? 

Unter Werten verstehen wir Überzeugungen und Grundannahmen. Sie sind quasi das Fundament unseres Handelns. Frag dich daher gerne mal, wofür du einstehst, was ist für dich handlungsleitend? Einige Beispiele für Werte, vielleicht spricht dich etwas davon an: Gerechtigkeit, Offenheit, finanzielle Sicherheit, Respekt, Offenheit, Unabhängigkeit, Privatsphäre, Kreativität, Optimismus, Familienorientierung, Erfolg, Gesundheit, Mitgefühl, Freundlichkeit, Ausdauer, Spontaneität, Vertrauen, Perfektion, Bescheidenheit, Treue, Spaß, Professionalität, Genauigkeit…

 

Was macht dich glücklich und zufrieden? 

Erinnere dich an Momente, die dir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben und benenne sie. Was macht dich glücklich? In welchen Momenten spürst du innere Zufriedenheit? Und frage dich dann, wie hoch der Anteil dieser Momente in deinem Alltag ist. Ist er hoch - prima. Ist er eher gering, schau, was du verändern kannst, damit du wieder in die Balance kommst.

 

Was möchtest du in deinem Leben erlebt/gesehen/getan haben?

Diese Frage stammt aus dem Buch „The Big Five vor Life“ von John Streckelsky und ich halte sie für wesentlich, damit wir am Ende unseres Lebens nicht da sitzen und bereuen, die Chancen auf das Leben, wie wir es uns vorgestellt haben, verpasst zu haben. Vielleicht ist es eine Reise, ein Theaterstück oder ein Konzert, das du besuchen, ein Business, dass du gründen oder eine Idee, die du in die Welt tragen möchtest, ein Buch schreiben, ein Kind adoptieren, einmal ein Brautkleid tragen... Vielleicht auch alles? Was sind deine Big Five?

 

Was ist mein Auftrag? Warum bin ich hier?

Diese Frage ist aufbauend auf den vorherigen. Sie fragt nach deinem Zweck der Existenz. 

Manchen Menschen ist es wichtig, Karriere zu machen, anderen ist es wichtiger eine Familie zu gründen. Die nächsten wollen etwas in der Welt verändern und engagieren sich in sozialen Projekten, andere wollen für sich selbst eine finanzielle Unabhängigkeit erreichen, die nächsten wollen etwas erforschen, um der Welt neue Erkenntnisse zu liefern, andere wollen ungewöhnliche Dinge erleben, ein Nomadenleben führen usw. Wofür bist du hier? Was kannst du so gut, dass es in der Welt bleiben muss?

 

Wenn ich heute sterbe, was würde ich bereuen? 

Was Menschen am Ende ihres Lebens am meisten bereuen, darüber habe ich bereits den letzten Artikel geschrieben. Schau da gerne nochmal vorbei und lass dich inspirieren, falls dir auf den Stutz gerade nichts einfällt: Was am Ende des Lebens wirklich zählt

 

Wenn du dich ernsthaft mit der Frage „Wer bin ich, wenn ich nichts tue und nichts mehr habe?“ auseinandersetzen möchtest, könntest du dir nun einen Zettel und einen Stift nehmen, die Fragen notieren und nach für nach auch die Antworten dazu aufschreiben. Lass es ein bisschen in dir arbeiten, die Antworten werden ihre Zeit brauchen. Vielleicht wirst du auch zwischenzeitlich durchstreichen, ändern, noch etwas ergänzen. Es ist ein Prozess und der dauert so lange, bis du auf jede dieser Fragen eine Antwort gefunden hast, die dich zufrieden macht. Du wirst sehen, dass es gut tut, eine Klarheit zu finden und automatisch deine Verbindung zu dir und der Wert, den dir dir und deinem Leben beimisst steigen wird! Dann könnte deine Antwort auf die Frage schon bald so lauten: "Ich bin der Mensch, dem xy wichtig ist, der von xyz träumt, der....".

 

Solltest du dir Unterstützung dabei wünschen, bin ich gerne für dich da! 

Egal, in welcher Lebenssituation du dich gerade befindest, sei dir sicher: Du bist goldWERT! 

Von Herzen 

Svenja Lotze